Marta Krzynowek-Boucher, 39 Jahre, Polen
Wohnort USA
Was bedutet für dich die Zerstörung der Berliner Mauer?
Die Zerstörung der Berliner Mauer ist für mich ein Symbol für den Sturz des Kommunismus, das Ende der Isolierung der Länder Mittel und Osteuropas und für den Beginn des Prozesses der Einigung Europas. Dieses mächtige Symbol hilft, weiterhin den Menschen, die Übel zu verstehen, die aus der Teilung kamen.
Wie alt warst du im Jahre 1989 und an welche persönlichen Erfahrungen aus diesem Jahr kannst du dich erinnern?
Im Jahr 1989 war ich ein Teenager. Ich persönlich habe in geringem Maße diese Änderungen gespürt. Danach hat mir die Öffnung der Grenzen erlaubt Kontakte mit Westeuropa aufzunehmen. Die ersten Kontakte erstanden in der Schule und dann im privaten Leben.
Hast du dich schon damals für Politik interessiert?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich in der frühen Jugend nicht für Politik interessierte. Politische Ereignisse, habe ich zusammen mit den Eltern im Fernsehen verfolg. Nun, eine reife Person, sehe mir die Bedeutung dieser Ereignisse und ihre Auswirkungen auf mein Leben, und das Leben meiner Generation. Nach dem Jahr 1989, alle erwarteten mehr Freiheit. Heute sind manchmal die Ereignisse von 1989 Thema für Diskussionen in der Familie.
Wie siehst du das jetzt, 20 Jahre danach. Ist die Verständigung zwischen den Menschen besser geworden?
2009 ist die Verständigung zwischen den Menschen natürlich besser. Da ich mit einer Person zusammen lebe, die die französische Staatsangehörige hat, habe ich viel Kontakt mit dieser Nation und sehe noch viele Unterschiede zwischen Polen und Frankreich: vor allem im Zusammenhang mit Kultur und bezüglich der Vorstellungen über gesellschaftliches und politisches Leben.
Wie siehst du den Prozess der europäischen Integration ?
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, an welchem Punkt der Prozess der europäischen Integration jetzt gerade ist. Ich habe den Eindruck, dass in der ersten Zeit, die Integration viel schneller gelang. Später wurden die Menschen kritischer, durch die unvermeidlichen Schwierigkeiten, im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich.
Glaubst du, dass dieses Ereignis wiederholbar wäre?
Ich weiß es nicht. Es besteht keine Notwendigkeit dafür. Trotz der Differenzen, ist Europa nun eine Union. Die „Mauern“ zwischen den Völkern gibt es zwar immer noch, aber sie sind nicht mehr gebaut aus Ziegelsteinen wie früher – sondern durch menschliche Vorurteile und Misstrauen. Diese Mauern sind vielleicht sogar noch schwerer zu zerstören.
Herr Roman Duda, 80 Jahre, Polen
Wie alt waren Sie im 1989 und was hat sich für Sie seitdem verändert?
1989 war ich 60 Jahre alt und schon Rentner. Für mich hat sich mein Leben als Rentner nicht sehr verändert. nach 1989 geschahen kardinale Veränderungen der geselschaftlichen, politischen Bedingungen. Men Leben war so sehr mit diesem alten System der PRL verbunden, dass das "Auferstehen" eines freien, demokratischen Polen ein Ereignis darstellt, das meine Einbindungskraft überschritt. Deswegen waren die Ereignisse eine unerhörte Überraschung. Die ersten freien Parlamentswahlen, der Fall der Berliner Mauer DAS konnte man nicht absehen.
Welche Ihrer Erwartungen haben sich nach diesen Ereignissen erfüllt?
Es haben sich einige Erwartungen erfüllt: der freie Handel, die Privatisierung mancher Unternehmen.
Aber das Versprechen Lech Walesa, dass Polen eine "Zweites Japan" wird davon sind wir noch weit entfernt.
Was meinen Sie über die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern? Welche Möglichkeiten nutzen Sie seit dieser Einigung?
Natürlich ist Europa durch die EU nun wesentlich integrierter, die Länder kooperieren besser zusammen, besonders auf dem wirtschaftlichen Gebiet. Wenn der Euro kommt, wird diese Kooperation noch besser.
Wie ich die Möglichkeiten nun nutze? Das Abschaffen der Grenzen ermöglicht schnelleres Reisen. Ich wohne in der Nähe Tschechiens. An der Grenze zw. Polen und der Tschechei herrscht nun reger Verkehr. In einer Grenzstadt war ein interessanter Markt.
Was wird in 20 Jahren sein?
Wenn die EU in 20 Jahre noch weiter in denselben Strukturen bleiben wird, verlieren die einzelnen Länder ihre Identität nicht. Es werden noch zu bessere Kooperation auf dem wirtschaftlichen Gebiet stattfinden. Aber die Länder an sich bleiben unverändert.